Forschungsmeldungen aus der Physikalischen Kosmologie am MPA

Am 8. Juli ehrte das Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) die beiden herausragenden Nachwuchswissenschaftler Teresa Braun und Aniket Bhagwat mit dem Kippenhahn-Preis. Sie wurden für ihre bahnbrechenden Arbeiten ausgezeichnet, durch die sie unser Verständnis der Sonne und des frühen Universums maßgeblich vorangebracht haben. Der Preis, der zur Förderung exzellenten wissenschaftlichen Schreibens und originellen Denkens ins Leben gerufen wurde, würdigt sowohl die Tiefe ihrer Entdeckungen als auch die Klarheit und Prägnanz ihrer Darstellung.

Obwohl die Dunkle Materie den größten Teil der Materie im Universum ausmacht, bleibt ihre Zusammensetzung eine der größten offenen Fragen der Physik. Ein indirekter Hinweis auf ihre Teilchennatur lässt sich daraus ableiten, wie stark sie auf kleinen Skalen – beispielsweise in Zwerggalaxien und noch kleineren Strukturen – gebündelt ist. Die kleinsten dieser Klumpen sind mit wenigen oder gar keinen Sternen verbunden und können nicht direkt beobachtet werden. Ihre Schwerkraft kann jedoch Sternenströme beeinflussen – das sind dünne Streifen von Sternen, die wie empfindliche Fühler wirken können. WissenschaftlerInnen am MPA haben nun gezeigt, dass sich durch die Analyse der Position und Bewegung der Sterne in Sternenströmen die Skala, auf der die Dunkle Materie aufhört, zu klumpen, um ein Vielfaches genauer bestimmen lässt. Dabei wird eine Empfindlichkeit erreicht, die mit den derzeit fortschrittlichsten Methoden vergleichbar ist.

Der Europäische Forschungsrat (ERC) gab heute bekannt, dass zwei Forscher am Max-Planck-Institut für Astrophysik einen Advanced Grant erhalten. Damit können sie ihre ambitionierten Projekte vorantreiben. Eiichiro Komatsu, Direktor am MPA, wird im Rahmen des Projekts „NewPhysCMB“ neue Physik anhand des polarisierten Lichts der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung erforschen. Sherry Suyu, die auch Professorin an der Technischen Universität München ist, wird im Rahmen des Projekts „LENS-ON-FIRE“ die Hubble-Konstante, die Vorläufer von Supernovae vom Typ Ia sowie die Emissionen von durch Gezeitenkräfte zerrissenen Sternen in der Nähe von Schwarzen Löchern untersuchen. Insgesamt wurden 319 führende Forscher:innen aus ganz Europa ausgewählt, die im Rahmen des EU-Programms „Horizont Europa“ Fördermittel in Höhe von 838 Millionen Euro erhalten.

Heute hat das Hobby-Eberly-Teleskop-Dark-Energy-Experiment (HETDEX), das kürzlich die bislang größte Durchmusterung des frühen Universums abgeschlossen hat, seine gesamte, informationsreiche Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der Grundlage von mehr als einem halben Petabyte an Roh- und aufbereiteten Daten ermöglicht sie es Astronomen, die Entstehung und Entwicklung der ersten Galaxien zu untersuchen, die Verteilung von Gas und Sternen innerhalb dieser Galaxien zu messen, die großräumige Struktur des Kosmos zu kartieren und seltene sowie unerwartete Objekte zu erforschen, die in herkömmlichen Durchmusterungen nur schwer zu finden sind.

von Prof. Benjamin D. Wandelt, Bloomberg Distinguished Professor an der Johns Hopkins University 

Mehr anzeigen
Zur Redakteursansicht