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Suyu, Sherry
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MPA News

Interview mit Sherry Suyu, neue Nachwuchsgruppenleiterin am MPA

15. Februar 2016

Seit Anfang des Jahres ist ein neuer Max-Planck-Nachwuchsgruppenleiter am MPA: Sherry Suyu hat ihre Position am Institut angetreten und wird in den nächsten Monaten und Jahren ihre kleine Gruppe ausbauen. Mit Hilfe des starken Gravitationslinseneffektes wird sie versuchen, Licht in das „dunkle Universum“ zu bringen.

Was tun Sie?

Ich untersuche Galaxien und die Geschichte des Universums, genauer gesagt die Geschichte seiner Expansion.

Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

Die Gravitation hat mich schon immer fasziniert! Es begann bereits in der Highschool: Damals haben wir gelernt, wie Objekte im Raum um andere Objekte kreisen, wie zum Beispiel die Erde um die Sonne - und all das beruht auf der Schwerkraft. Aber ich wollte tiefer forschen, wollte verstehen, wie sich das Universum entwickelt.

Dann lernte ich ein großartiges Phänomen - und Werkzeug - kennen: Gravitationslinsen. Dieser Effekt zieht mit wunderschönen Bildern die Aufmerksamkeit der Leute auf sich; auch ich wurde davon gefangen genommen. Der Linseneffekt erzeugt spektakuläre große Bögen und sogar Ringe am Himmel. Und obendrein ist dies eine gute Möglichkeit, Galaxien und Kosmologie zu erforschen!

<p>Bild eines stark gelinsten Quasars, B1608 + 656, mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Der Quasar wird durch zwei Vordergrundgalaxien G1 und G2 auf vier Bilder A, B, C und D abgebildet.</p> Bild vergrößern

Bild eines stark gelinsten Quasars, B1608 + 656, mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Der Quasar wird durch zwei Vordergrundgalaxien G1 und G2 auf vier Bilder A, B, C und D abgebildet.

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Und warum Theorie?

Als ich mich mit dem Thema das erste Mal befasste, existierten bereits mehrere Beobachtungen von Gravitationslinsen, die zuerst nur theoretisch vorausgesagt worden waren. Dies war der Beweis, dass diese Objekte real sind, dass es sie in der Tat gibt, und dass wir sie verwenden können, um unsere theoretischen Modelle der Kosmologie zu testen und zu einem besseren Verständnis unseres Universums zu gelangen.

Inzwischen haben wir Hunderte von Gravitationslinsensystemen gefunden - den starken Linseneffekt als Werkzeug einzusetzen ist in der Tat Realität geworden. Bald werden es mit den neuen Himmelsdurchmusterungen und Observatorien noch mehr sein: Tausende von Systemen.

Was sind Ihre Pläne hier an MPA?

In unserer Gruppe werden wir drei „dunkle“ Dinge untersuchen:

- die Dunkle Energie, die treibende Kraft hinter der beschleunigten Expansion des Universums;

- die Dunkle Materie in Galaxien und ihr Einfluss auf deren Entstehung und Entwicklung;

- und supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien, um zu sehen, wie sich diese Komponenten gemeinsam entwickeln.

Als Werkzeug benutzen wir dafür starke Gravitationslinsen, insbesondere wir gelinste Quasare, um alle drei Themenbereiche zu studieren.

Diese Quasare sind in Wahrheit supermassereiche Schwarze Löcher, die Material aus ihrer Umgebung akkretieren. Während dieses Prozesses geben sie große Mengen an Strahlung ab, was sie zu sehr hellen Quellen aus dem fernen Universum macht. Liegt eine solche Galaxie mit einem so genannten aktiven Galaxienkern (AGN) hinter einer anderen massereichen Galaxie, so wirkt diese als Gravitationslinse und wir sehen mehrere Bilder des AGN.

Da der AGN-Fluss mit der Zeit variiert - Akkretion ist kein homogener Vorgang - können wir diese Variabilität in allen Mehrfachbildern sehen, aber zu leicht unterschiedlichen Zeiten aufgrund der leicht unterschiedlichen geometrischen Pfadlänge, die das Licht für die verschiedenen Bilder zurücklegen muss. Diese Zeitverzögerung ist ein direktes Maß für den Abstand zur Quelle und wir können diese Messung nutzen um die Expansionsgeschichte des Universums zu untersuchen – und um zu prüfen, wie die dunkle Energie diese beeinflussen kann.

Aus den Mehrfachbildern können wir auch die Massenverteilung der Galaxie rekonstruieren, die als Linse wirkt. Und weil der Linseneffekt allein von der Schwerkraft abhängt, ist dies ein direktes Maß für die dunkle Materie in der Linsengalaxie.

Schließlich werden die gelinsten Quasare von supermassereichen Schwarzen Löchern angetrieben. Eine detaillierte Studie der Mehrfachbilder kann uns also auch etwas über diese sehr exotischen Objekte verraten.

Derzeigt beginne ich gerade mit der Rekrutierung eines Studenten und eines Postdocs um hier die Gruppe aufzubauen. Einer meiner Doktoranden ist in der Endphase seiner Doktorarbeit in Taiwan; er wird uns in den nächsten Monaten besuchen.

B1608 + 656

Variabilität der mehrerer Quasarbilder über die Zeit. Solche Linsensysteme mit variablen Quellen können dazu verwendet werden, Dunkle Energie, Dunkle Materie und supermassereiche schwarze Löcher zu untersuchen.

Warum sind Sie ans MPA gekommen?

Ich war bereits an vielen Orten, ich liebe es zu reisen ...

Geboren in Taiwan, wuchs ich in Kanada auf und ging für meine Doktorarbeit in die USA. Danach kam ich zu meiner ersten Postdoc-Stelle nach Bonn. Das war meine erste Erfahrung in Deutschland, und es hat mir gefallen! Anschließend ging ich zurück in die USA und dann für eine „faculty position“ nach Taiwan. Als ich von diesem Programm bei der Max-Planck-Gesellschaft erfuhr, bewarb ich mich und hatte das Glück, tatsächlich diese Gelegenheit zu erhalten wiederzukommen – und hier bin ich.

Meine Forschung überschneidet sich zum Teil mit dem, was andere Leute am MPA tun, und hier habe ich wirklich eine gute Gelegenheit, eine starke Forschungsgruppe zu Gravitationslinsen aufzubauen.

Was mögen Sie an Garching bzw. München?

Das MPA ist ein sehr aktives Institut und der gesamte Campus Garching ist eines der weltweit führenden Zentren für Astrophysik. Es ist ein sehr aktiver, spannender, anregender Ort. Ich war bereits in der Vergangenheit als Gast am MPA und genoss diese Besuche. Es ist schön, jetzt hier zu sein und tatsächlich hier zu arbeiten.

München ist ein guter Platz zum Leben; es ist eine sehr internationale Stadt. Eigentlich war der Umzug nach München einfacher als mein erster Umzug nach Bonn bzw. Deutschland - der Wechsel lief absolut glatt, da ich bereits Erfahrung mit dem Leben in Deutschland hatte.

 
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